Proxmox Backup Server mit hochkapazitiven Toshiba Festplatten

Sie hätten gern einen großen und performanten Proxmox Backup Server, Ihnen sind aber die SSDs aktuell zu kostspielig? Kein Problem für uns! special vdev ist das Zauberwort.

Ein Proxmox Backup Server (PBS) ist darauf ausgelegt, große Datenmengen zuverlässig, effizient und langfristig zu sichern. In der Praxis orientieren sich viele Installationen strikt an den Hardware-Empfehlungen von Proxmox. Heißt: Ein großer und gerade immer teurer werdender SSD-Pool muss her. 

In diesem Artikel gehen wir einen anderen Weg: Unser Proxmox Backup Konzept Server kommt in einem 36-Bay-Gehäuse daher – vollbestückt mit 20-TB-Nearline-HDDs von Toshiba. Also größer und dichter bestückt, als empfohlen.

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PBS auf Ab- bzw Umwegen

Unser Fokus liegt also klar auf Kapazität und Wirtschaftlichkeit. Toshiba-Festplatten der Enterprise- und Nearline-Serien bieten nämlich ein sehr gutes Verhältnis aus Preis pro Terabyte, Zuverlässigkeit und Dauerlastfähigkeit. Mit 20 TB pro Laufwerk lässt sich in einem 36-Bay-Chassis somit eine brachiale Bruttokapazität von 720 TB realisieren. 

Ganz nebenbei: Für Backup-Workloads, die primär sequentiell schreiben und lesen, sind HDDs weiterhin die sinnvollste Basis. Daher positionieren wir gern die Toshiba HDDs explizit für Backup und Archiv-Szenarien, da sie mit hoher MTBF, stabiler Performance unter Dauerlast und kontrolliertem Energieverbrauch glänzen.

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Der Clou mit special vdev

Ein häufiger Kritikpunkt an großen HDD-Pools – insbesondere im Zusammenhang mit ZFS unter PBS – ist jedoch die Performance. Der Pferdefuß: PBS speichert jegliche Daten in 4 MB großen Chunks. Die Priorität beim Speicherzugriff liegt bei der Proxmox-Backup-Lösung auf hohe IOPS und nicht wie üblich im Backup-Sektor auf sequenziellen Lese-/ und Schreibvorgängen

Also gut für SSDs und schlecht für HDDs.

Und genau hier kommt der Metadaten Cache – auch special device oder special vdev genannt – zum Einsatz: Dieser Cache besteht aus NVMe Datenträgern, die bekanntlich opulente IOPS-Werte erreichen. Sie übernehmen ab Erstellung die komplette Speicherung der Metadaten des ZFS-Pools. Normalerweise befinden sich diese Daten auf den Daten-vdevs, werden mit diesem aber ausgelagert. 

Dies erhöht deutlich die Zugriffszeiten und dadurch die Verify, Prune und Garbage-Collection Jobs des PBS. Grundsätzlich gilt: Ein Metadaten-Cache ist ab mehreren Terabytes unter Einsatz von HDDs bei PBS ein Muss! Als Folge bleiben allerdings Backup-Jobs sehr großen Datensätzen performant, während die eigentlichen Nutzdaten kosteneffizient auf den Toshiba-HDDs gespeichert werden.

Jobs
„Ein Metadaten-Cache ist ab mehreren Terabytes unter Einsatz von HDDs bei PBS ein Muss! ”
Fachinformatiker und PBS-Experte Kevin Fietz

Gefahrenminimierung für den vdev-Ausfall

Allerdings birgt der Metadaten-Cache auch ein Risiko. Dadurch, dass sich dort alle Metadaten des Pools befinden, würde bei einem Ausfall des special vdevs, der ganze Pool verloren gehen. Daher sichert ihn Starline grundsätzlich im 3-Wege-Spiegel ab. Optimalerweise besteht dieses special vdev aus NVMes, wobei es egal ist, ob es sich um M.2 oder U.2 Gehäusevarianten handelt. 

Um die Ausfallsicherheit weiter zu maximieren, sollten unterschiedliche Hersteller für den 3-Wege-Spiegel verwendet werden. Beispielsweise 2x Kioxia SSDs und 1x Samsung SSD. Als sehr platzsparend für M.2 Modelle haben sich AOC-Adapterkarten herausgestellt. 

Bezüglich Skalierung gilt die Faustregel: 

Ca. 3 GB special vdev pro Terabyte an Speicher.

Absicherung der HDD-vdevs

Natürlich müssen auch die Festplatten untereinander redundant abgesichert werden. Zwei Varianten eignen sich für das Projekt mit dem 36-Bay-Gehäuse:

RAIDZ2: Min 4, Max 10 ⇾ Kapazität: Terabyte der kleinsten Festplatte * (Anzahl - 2)

RAIDZ3: Min 5, Max 12 ⇾ Kapazität: Terabyte der kleinsten Festplatte * (Anzahl - 3)

Beispiel – Daten-vdev unter RAIDZ3 mit 12 HDDs bei einer Kapazität von jeweils 20 TB ergibt:

20 TB * (12-3) = 20 TB * 9 = 180 TB Nutzkapazität pro vdev

Wir empfehlen generell, mehrere kleine vdevs statt weniger großer zu erstellen. RAIDZ1 verwenden wir in diesem Fall überhaupt nicht. Schließlich steht man im Falle eines Ausfalles ohne jegliche Redundanz da. Sollte also während des Resilverings etwas schiefgehen, haben wir einen Datenverlust: Der Datenbestand des gesamten vdev ist dann verloren.

Das Limit pro vdev ist als "weiches" Kriterium festgelegt, sollte aber dennoch nicht überschritten werden. Der Hintergedanke dazu betrifft den Prozess des Resilverings: Bei einem Plattenaustausch werden jegliche Daten von den anderen Platten gelesen, um die Daten auf den neuen Platten zu verteilen. Und gerade hier ist es recht wahrscheinlich, wenn Platten gleichen Alters, Laufzeit oder Auslastung betroffen sind, dass weitere Platten ausfallen könnten. Das Risiko steigt also mit der Anzahl der Platten in einem vdev.

Fazit

Das Ergebnis dieser Konfiguration ist ist ein Backup-System, in dem Enterprise-HDDs ihre Stärken ausspielen können. Es weicht aus wirtschaftlichen Gründen von der Referenzkonfiguration mit All-Flash-Bestückung ab, ist jedoch technisch einwandfrei umgesetzt: 

Hohe Kapazität durch Toshiba-HDDs, hohe Reaktionsgeschwindigkeit durch NVMe-Metadaten-Cache und eine robuste Softwarebasis mit Proxmox Backup Server. Für Umgebungen mit stark wachsendem Datenvolumen zeigt dieses Setup, dass große HDDs auch heute noch die tragende Säule effizienter Backup-Infrastrukturen sind.

Beispielkonfiguration eines Proxmox Backup Servers auf HDD-Basis

Ausbaufähiger Backup Server für PROXMOX mit Toshiba HDDs der MG Serie: 

  • 36 LFF Bay - 4HE - Gehäuse, redundante Netzteile auf Supermicro Basis
  • Single Socket Mainboard mit 16-Core AMD Genoa CPU, 3.0GHz
  • 192 GB RAM (6x 32 GB), IPMI onboard, inkl. Software Lizenz für DCMS
  • 2x 1/10 Gb/s on-board (RJ-45) für Management 
  • 10/25 GbE NIC
  • M.2 Extender Karte für 2x M.2 SSD 
  • 12 Gbit/s SAS HBA (9600-16I) (2x SFF-8654 intern) für HDDs und OS SSDs
  • 2x 480 GB 6 Gbit/s SATA SSDs im RAID-1 für OS (auf der Rückseite)
  • 3x 1920 GB NVMe M.2 SSDs als ZFS special device (1x SAMSUNG auf AOC und KIOXIA / SAMSUNG onboard) 
  • 12x 20 TB / 7200 Umin Toshiba NL-SAS HDDs für 1 vdevs á 12 HDDs im RAID-Z3


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BW
Bernd Widmaier
Vertrieb

Vertriebsleiter und Experte für vertikale Märkte sowie im Bereich Mac, Video-Storage und Media-Streaming.